Wer heute eine LED-Lampe kauft, sieht auf dem Energielabel häufig die Klasse F oder G – und ist irritiert. Schließlich galten LEDs jahrelang als Spitzenreiter in Sachen Energieeffizienz. Bedeutet ein „G“ auf dem Label, dass die Lampe ein Stromfresser ist? Die klare Antwort: Nein. Der Grund liegt in einer grundlegenden Neuordnung der EU-Energielabels, die seit September 2021 gilt.
Inhaltsverzeichnis 10 Abschnitte
- Was hat sich 2021 geändert?
- Warum sind fast alle LEDs jetzt F oder G?
- Die Skala im Vergleich
- Was sagt die Energieklasse wirklich aus?
- Warum landen manche LEDs in G statt F?
- Praxisbeispiel: Energieverbrauch im Alltag
- Das neue Label richtig lesen
- Worauf sollte man beim LED-Kauf achten?
- Energieeffiziente LED-Produkte im Überblick
- Fazit: Der Buchstabe ist nicht alles
Was hat sich 2021 geändert?
Bis 2021 reichte die Energieeffizienzskala von A++ (beste Klasse) bis E (schlechteste Klasse). Das Problem: Durch den technischen Fortschritt bei LED-Leuchtmitteln waren nahezu alle Produkte in den Klassen A+ oder A++ gelandet. Die Skala war nach oben hin ausgereizt und bot Verbrauchern kaum noch Orientierung – jede LED sah auf dem Papier gleich gut aus.
Die EU hat deshalb im Rahmen der Verordnung (EU) 2019/2015 die Energielabel für Leuchtmittel komplett neu skaliert. Die neue Skala reicht wieder schlicht von A (beste Klasse) bis G (schlechteste Klasse). Die Plusklassen (A+, A++, A+++) wurden abgeschafft.
Warum sind fast alle LEDs jetzt F oder G?
Der entscheidende Punkt: Die Klasse A wurde bewusst freigelassen. Zum Zeitpunkt der Einführung der neuen Labels gab es kein einziges Leuchtmittel auf dem Markt, das die Anforderungen für Klasse A erfüllt hätte. Selbst die besten verfügbaren LEDs erreichen nur Klasse D oder E. Die oberen Klassen sind als Anreiz für künftige Technologien vorgesehen.
Konkret bedeutet das: Eine LED-Lampe, die unter dem alten System die Bestnote A++ trug, kann unter dem neuen System in Klasse F oder G eingestuft werden – obwohl sich an ihrer Effizienz rein gar nichts geändert hat. Die Lampe verbraucht nicht mehr Strom als zuvor. Nur die Messlatte wurde deutlich höher gelegt.
Die Skala im Vergleich
| Altes Label (bis 2021) | Neues Label (ab 2021) | Typische Technologie |
|---|---|---|
| A++ | D – G | Effiziente LED |
| A+ | E – G | Standard-LED |
| A | F – G | Ältere LED / Halogen-Ersatz |
| B – C | G (oder nicht mehr im Handel) | Kompaktleuchtstofflampe |
| D – E | Nicht mehr zulässig | Glühlampe / Halogen |
Was sagt die Energieklasse wirklich aus?
Das Energielabel gibt die Effizienz eines Leuchtmittels in Lumen pro Watt (lm/W) an – also wie viel Licht pro eingesetzter Energie erzeugt wird. Die neuen Grenzwerte sind streng:
- Klasse A: über 210 lm/W – derzeit von keinem Serienprodukt erreicht
- Klasse B: 185 – 210 lm/W – nur wenige Speziallösungen
- Klasse C: 160 – 185 lm/W – vereinzelte High-End-LEDs
- Klasse D: 135 – 160 lm/W – sehr effiziente LEDs
- Klasse E: 110 – 135 lm/W – gute Standard-LEDs
- Klasse F: 85 – 110 lm/W – die meisten LED-Leuchtmittel im Handel
- Klasse G: unter 85 lm/W – LEDs mit besonderen Eigenschaften (dimmbar, RGB, warmweiß)
Zum Vergleich: Eine klassische 60-Watt-Glühbirne lieferte etwa 12 lm/W. Eine LED der Klasse G mit 80 lm/W ist also immer noch fast siebenmal effizienter als eine Glühbirne. Das relativiert den vermeintlich schlechten Buchstaben erheblich.
Warum landen manche LEDs in G statt F?
Nicht jede LED ist gleich. Einige Faktoren führen dazu, dass ein Leuchtmittel eine niedrigere Effizienzklasse erhält – ohne dass es deshalb ein schlechtes Produkt wäre:
- Dimmbare LEDs: Die Elektronik für die Dimmfunktion verbraucht zusätzlich Strom, was die lm/W-Bilanz senkt.
- Warmweiße Lichtfarbe (2700K): Warmweißes Licht erfordert mehr Phosphor-Beschichtung, was die Effizienz leicht reduziert. Neutralweiße LEDs (4000K) erreichen oft eine Klasse besser.
- Hohe Farbwiedergabe (CRI >90): LEDs mit besonders natürlicher Farbwiedergabe opfern etwas Effizienz für bessere Lichtqualität.
- Spezielle Bauformen: Dekorative Filament-LEDs, Spots mit engem Abstrahlwinkel oder sehr kompakte Bauformen haben konstruktionsbedingt geringere Effizienz.
- CCT-Funktion (einstellbare Farbtemperatur): Produkte mit schaltbarer Lichtfarbe (z.B. 3000K/4000K/6000K) brauchen zusätzliche LED-Chips und Elektronik.
All diese Eigenschaften bieten einen echten Mehrwert für den Nutzer. Die etwas geringere Effizienz auf dem Papier ist in der Praxis kaum spürbar – und die Energieeinsparung gegenüber konventioneller Beleuchtung bleibt enorm.
Praxisbeispiel: Energieverbrauch im Alltag
Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Sie möchten eine 60-Watt-Glühbirne ersetzen. Dafür benötigen Sie etwa 800 Lumen Lichtstrom.
- Glühbirne: 60 Watt für 800 Lumen → ca. 26 € Stromkosten pro Jahr (bei 3 Stunden/Tag, 0,40 €/kWh)
- LED Klasse F (100 lm/W): 8 Watt für 800 Lumen → ca. 3,50 € Stromkosten pro Jahr
- LED Klasse G (80 lm/W): 10 Watt für 800 Lumen → ca. 4,40 € Stromkosten pro Jahr
- LED Klasse E (120 lm/W): 6,7 Watt für 800 Lumen → ca. 2,90 € Stromkosten pro Jahr
Selbst die LED mit Klasse G spart also über 80 % Stromkosten gegenüber der Glühbirne. Der Unterschied zwischen Klasse E und G beträgt gerade einmal 1,50 € pro Jahr und Lampe – ein Betrag, der bei Funktionen wie Dimmbarkeit oder einstellbarer Lichtfarbe gut investiert ist.
Das neue Label richtig lesen
Das neue EU-Energielabel für Leuchtmittel enthält neben der Effizienzklasse weitere nützliche Informationen:
- QR-Code: Führt zur EPREL-Datenbank der EU, wo Sie das vollständige Produktdatenblatt mit allen technischen Details finden.
- Energieverbrauch in kWh/1000h: Zeigt den tatsächlichen Stromverbrauch für 1.000 Betriebsstunden. Bei 8 Watt sind das beispielsweise 8 kWh – also Kosten von 3,20 € bei einem Strompreis von 0,40 €/kWh.
- Effizienzskala A–G: Zeigt die relative Einstufung im Vergleich zu allen Leuchtmitteln auf dem Markt.
Tipp: Achten Sie beim Kauf weniger auf den Buchstaben und mehr auf den kWh-Wert. Er verrät Ihnen direkt, was die Lampe im Betrieb kostet.
Worauf sollte man beim LED-Kauf achten?
Statt sich vom Buchstaben auf dem Energielabel verunsichern zu lassen, sind folgende Kriterien beim LED-Kauf entscheidend:
- Lichtstrom (Lumen): Wie hell soll die Lampe sein? 400 lm für Akzentlicht, 800 lm als Glühbirnen-Ersatz, 1.500+ lm für Arbeitsflächen.
- Lichtfarbe (Kelvin): 2700K für gemütliches Warmweiß, 4000K für neutrales Arbeitslicht, 6000K für kühles Tageslicht.
- Farbwiedergabe (CRI): Mindestens CRI 80, besser CRI 90+ für Wohnräume und überall dort, wo Farben natürlich wirken sollen.
- Lebensdauer: Hochwertige LEDs halten 25.000 bis 50.000 Stunden – das sind bei 3 Stunden Betrieb pro Tag über 20 Jahre.
- Dimmbarkeit: Falls gewünscht, ausdrücklich auf „dimmbar“ achten – nicht jede LED ist dimmbar.
Energieeffiziente LED-Produkte im Überblick
Die folgenden Produkte zeigen, wie effizient moderne LED-Beleuchtung ist – unabhängig vom Buchstaben auf dem Label. Vom klassischen E27-Leuchtmittel über Einbaustrahler bis zum Außenstrahler: Alle sparen gegenüber konventioneller Beleuchtung über 80 % Energie.
Fazit: Der Buchstabe ist nicht alles
Das neue EU-Energielabel sorgt bei vielen Verbrauchern für Verwirrung – doch es ist kein Grund zur Sorge. Ein „F“ oder „G“ auf einer modernen LED bedeutet nicht, dass das Produkt ineffizient ist. Im Gegenteil: Selbst LEDs der niedrigsten Effizienzklasse verbrauchen rund 80–85 % weniger Strom als die Glühbirnen, die sie ersetzen.
Die neue Skala schafft Raum für zukünftige Technologiesprünge und ermöglicht es, auch innerhalb der LED-Technik feinere Unterschiede sichtbar zu machen. Wer beim Kauf auf Lumen, Lichtfarbe und Wattzahl achtet, liegt immer richtig – ganz gleich, ob auf dem Label ein E, ein F oder ein G steht.